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"31. Juni"

So, sobald der heutige Tag überstanden ist, feiere ich. Obwohl ich davon ausgehen kann, dass heute der stressfreieste Tag der Woche ist. Ich muss nach der Reha noch zum Sozialamt wegen einer neuen Wohnung, die ich Ende Juli hoffentlich haben werde. Gestern war ich trotz Übermüdung (und dementsprechend schlechter Laune) mit dem Fahrrad in der Stadt und habe mich ein wenig amüsiert. Ja, das bekomme ich auch allein hin, obwohl ich mich mit einer Begleitperson normalerweise wohler fühle. Ich habe mir anlässlich meines heutigen "Ehren"-Tages in Form dreier Shirts selbst ein Geschenk gemacht :D und einem - wie ich finde - super talentierten Percussionsspieler Geld gespendet. Ich liiiebe Trommeln, Percussion und überhaupt Schlagzeug und ziehe ernsthaft in Erwägung, selbst einmal ein solches Instrument spielen zu lernen. Sowie mir vielleicht ein Tattoo stechen zu lassen ... mal sehen ... Morgen fängt dann für mich der Juli erst an. Gott, ich hasse meinen Geburtstag ...

1.7.08 13:43


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Von Grausamkeiten der Natur und Sommer-Weihnachten

Von Grausamkeiten der Natur und Sommer-Weihnachten

(gewidmet G. – danke, Schatz, dass ich mit dir so gut diskutieren kann und du mich zum Nachdenken anregst! – sowie Hugo Günter, Karl Otto Xaver, Egon, Gustav, Martha Daniela, Traudl, Annie und Basti)

… oder wie vegan ist vegan?

Eine Katze spielt mit einer lebenden Maus zwischen den Pfoten. Ein Rudel Wölfe hetzt einen Hirsch bis zur Erschöpfung, um ihn dann mit einem Kehlbiss zu töten. Schimpansen jagen einen kleinen Affen und reißen diesen bei lebendigem Leibe in Stücke. Wie grausam ist die Natur? Ist diese Grausamkeit verwerflich? Wie „heilig“ sind wild lebende Tiere? Und rechtfertigt diese Grausamkeit die des Menschen an Haus- und Nutztieren? Eine Gruppe Jugendlicher foltert einen Wolf ohne Grund langsam zu Tode. Tagtäglich sterben hunderte Hühner in Legebatterien nach einem Leben voller Schmerzen auf engstem Raum. Damit wir ihre Eier essen können.

Wieviel Leid ist akzeptabel? Und kann man überhaupt menschliche Bewertungssysteme auf die Natur übertragen? Welche Fragen können, sollen und dürfen gestellt werden, wenn es darum geht, zu entscheiden, welches menschliche Verhalten Tieren gegenüber „in Ordnung“ ist und welches nicht? Als Neu-Veganerin und Tierliebhaberin mache ich mir natürlich Gedanken darüber. Über Fragen, die nicht leicht beantwortet werden können – und genau darin liegt das größte Problem. Dass nicht pauschal nach richtig und falsch beurteilt werden kann. Auch ich bin in erster Linie aus ethischen und tier-„rechtlichen“ Gründen zu der Entscheidung gekommen, Veganerin zu werden. Tiere nur zu wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und ähnlichen Zwecken zu jagen, einzufangen, in einen Stall oder Käfig zu sperren, an die Leine zu legen oder an die Melkmaschine anzuschließen, ist nicht artgerecht und bedeutet Leid, das nicht notwendig ist und Leben und Gesundheit dort einschränkt, bedroht, schändet und verletzt, wo es nicht dem notwendigen Kampf ums Überleben – oder weiter gefasst: der Aufrechterhaltung eines biologischen Gleichgewichts – dient. Die Natur oder der Mensch geht nicht daran zugrunde, wenn keine Wale mehr harpuniert, Ratten für Labortests missbraucht oder Mastschweine geschlachtet werden. Und: Das Leben und die Gesundheit von wesentlich mehr Tieren wäre weniger Schändung und Bedrohung ausgesetzt. Wenn man Naturkatastrophen, naturbedingte Hungersnöte, Krankheiten und Fressfeinde sowie die durch sie ununterbrochen gegebene Lebensgefahr einmal beiseite lässt (wobei man sich da wieder auf das biologische Gleichgewicht berufen kann ...). „Nicht artgerecht“ ist ein gutes und ausdrucksstarkes Argument. Das allerdings in seiner Formulierung nicht ausreicht. Aber genau da stößt es auch an seine Grenzen – menschliche Bewertungssysteme auf nicht Menschliches zu übertragen. Man stelle sich folgende Situation vor: Alle Nutz- und Haustiere werden freigelassen. Und keine Tiere mehr in die heutige Kultur des Menschen integriert. Ein großes Problem – sowohl für den Menschen als auch für die Natur. Massensterben durch Hungersnöte und Fressfeinde. Artensterben auf der einen und explodierende Populationen auf der anderen Seite. Zerstörung von Lebensraum. Massive Einflüsse auf den Genpool der Fauna durch Tiere, die durch Züchtung entstanden, genmanipuliert, mit Schadstoffen, Medikamenten etc. belastet sind und so weiter. Nur ein Anfang. Nur eine Seite. Ist es das wert? Ist das „vegan“?

Weihnachten auf der Südseite der Erdkugel?

Weihnachten kenne ich fast nur in Deutschland. Kälte, Schnee, kurze Tage, geschmückte Tannen, Weihnachtsmarkt, Familienkreis. Die für mich schönste Zeit des Jahres habe ich so kennen gelernt, bin ich so gewohnt, liebe ich so. In den letzten beiden Jahren gab es das auf Österreichisch. Bei meiner schönsten Zweitfamilie. Die dieses Jahr in den Tropen feiern möchte. Sommer, Sonne, Badestrand, statt Schnee, Handschuhe und Schlittenfahrt. Und noch dazu: jede Menge Exotik. Jede Menge Menschen, die anders aussehen, eine ganz andere Sprache sprechen, ganz anders leben als in Deutschland oder Österreich. Ein anderes Klima, andere Vegetation, eine andere Zeitzone. Und: mein erster Flug, mehrstündig und über Kontinente hinweg. Die Entscheidung: bei mir. Der Reiz: die Herausforderung. Das Fremdländische. Endlich mal selbst dort sein und das hautnah miterleben, was man sonst nur aus Fernsehen und Erfahrungsberichten kennt. Und das Bewusstwerden? Das käme auch erst am Flughafen in Südostasien. Ein Weltensprung. Ja? Oder nein?

 

2.7.08 13:35


Von Radfahrern und anderen Katastrophen

Von Radfahrern und anderen Katastrophen

Radfahren durch Rostocks Innenstadt ist ein Abenteuer. Ich weiß nicht, ob sich das in anderen Städten Deutschlands genauso verhält, aber in meiner Heimatstadt radelt jeder Radler, wie es ihm gerade in den Sinn kommt, sprich: als wäre er der einzige Verkehrsteilnehmer weit und breit. Auf dem Weg zum Ziel gibt es nur drei Hindernisse: Häuser, Litfasssäulen und stehende Autos. Stehende. Nicht parkende. Sie werden in halsbrecherischen Ausweichmanövern umkurvt, entweder blitzschnell (sodass der Autofahrer droht, in erschrockener Manier gegen den nächsten Laternenpfahl zu prallen) oder schneckenlangsam (Autofahrer haben schließlich im Gegensatz zu einem selbst massig Zeit). Der Autofahrer hält so oder so, sofern einer hinterm Steuer sitzt. Rote Ampeln gelten als Vorboten des nahenden (aber zeitlich noch weit entfernten) Sonnenuntergangs, und wenn es plötzlich klingelt oder hupt, ist natürlich wer schulde? Richtig - der andere. Da wird erst mal gemotzt und gemeckert und um nur ja nicht abbremsen oder gar anhalten zu müssen, auf die wegen Berufsverkehrs viel befahrene Hauptstraße oder gar Straßenbahnschienen ausgewichen - Straßenbahnen halten sich ja sowieso nie an ihre Fahrpläne. (Warum wohl?) Und was ist mit der Regelung "rechts vor links"? Entweder hat man als gewiefter Möchtegern-Rennfahrer, der eine 30er-Zone im Wohngebiet mal schnell mit einer Radrennstrecke verwechselt, ohnehin noch nie eine Fahrschule von innen gesehen oder die entsprechenden Regelungen gleich ganz vergessen - gelten sie doch nur für Autofahrer, damit die grundsätzlich nie ohne Scheuklappen aus dem Haus gehenden Radfahrer nur ja nicht gefährdet werden bei dem Kauderwelsch, den sie tagtäglich vor Rostocks Haustüren zusammenfahren. Musste ich selbst es mir erst gestern oder vorgestern auf einer einspurigen Radspur gefallen lassen, dass ein Radfahrer nach dem anderen sich seelenruhig an mir vorbeizudrängeln suchte und sogar ärgerlich nach Luft schnappte, wenn ich nicht nach rechts ausweichte - was, nur ganz nebenbei bemerkt, inmitten dorniger Büsche geendet hätte (derer die Stadtreinigung sich auch nur alle paar Jubeljahre einmal annimmt). Oder eine Radfahrerin mit Kind auf dem Fahrradkindersitz, die entweder vergessen hat, dass man sich doch bitte auch außerhalb einer Verkehrsstraßenbereichs rechts zu halten habe, oder sich einfach denkt, hier ist doch Platz genug, lass' die anderen mal ausweichen und ihnen eine Predigt halten, wenn dies mangels Kommunikation nicht rechtzeitig geschieht. Hauptsache man selbst wird nicht gefährdet. Ich persönlich bin es glücklicherweise noch aus der Fahrschule gewohnt, "vorausschauend" zu fahren und "das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer auszugleichen" - seien es an der Ampel wartende Rad- oder Autofahrer, die, obwohl sie mich herannahen sehen, nicht daran denken, die Radspur freizugeben, oder im Schneckentempo dahinschlendernde Fußgänger, die entgegenkommenden Fußgängern gern durch Ausweichen auf die Radspur wohlwollend Platz machen. Da bin ich meistens froh, dass ich abends gesund und munter und mit intaktem Rad wieder zu Hause angekommen bin. Wieviele Radfahrer können das wohl ebenfalls von sich behaupten ...?

3.7.08 09:52


Warum man Lassie nicht quälen darf

Warum man Lassie nicht quälen darf 

„… wäre es aber ohnedies eine Illusion zu meinen, Tierversuche seien möglich, ohne dass mit diesen Versuchen Leiden für die Versuchstiere verbunden wären. Zum einen kann man bezweifeln, dass es überhaupt möglich ist, Tiere tatsächlich schmerzlos zu töten. Vor allem aber ist schon das Bereithalten der Versuchstiere für diese mit Leiden und Schmerzen verbunden, die in jedem Falle dafür ausreichen dürften, die Mehrzahl dieser Versuche für moralisch falsch zu halten.
Die Frage, ob man Tiere töten darf, oder genauer: welche Tiere man töten darf, ist also keineswegs eine Nebensächlichkeit. Dass sie in den Ohren mancher Menschen noch immer geradezu abwegig und abstrus klingt, verdankt sich wohl der Tatsache, dass wir so sehr daran gewöhnt sind, Tiere für unsere Zwecke leiden und eben auch sterben zu lassen. Das hinter der Gewohnheit verdeckte moralische Problem ist so kaum noch spürbar. Der Unwille, sich dem Problem zu stellen, dokumentiert jedoch, um ein Wort von Singer abzuwandeln, eher unsere kulinarischen und einige weitere Vorlieben, denn unsere Vernunftbegabung, auf die wir uns sonst so viel zugute halten.“
(Quelle: Johann S. Ach: Warum man Lassie nicht quälen darf. Harald Fischer Verlag. 1. Auflage 1999, Erlangen. S. 182-183)

Genau das ist das Problem, auf das ich bei fast allen (Fleisch essenden) Personen stoße, mit denen ich mich über dieses Thema unterhalte. Von Grund auf sind sie alle keine aktiven Befürworter von Tierquälerei und auch ansonsten das, was man „anständige Menschen“ nennt. Meine Schwester und meine Tante halten sich auch ein Haustier. Mein Freund will sich ein (weiteres) zulegen. Sie alle gehen in den Zoo, schauen sich Tierreportagen im Fernsehen an, reagieren verzückt auf den Anblick von Katzenwelpen – und essen trotzdem ihr Schnitzel und ihr Frühstücksei. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Aber eben nicht, weil es ihnen egal wäre, was den dahinter stehenden Tieren für Leid zugefügt wird. Mein Freund ist sogar strikt dagegen, dass ich neben Fleisch nun auch auf Eier und Milchprodukte verzichten will. Obwohl auch er es verwerflich findet, Tiere für kulinarische Zwecke zu töten.
Was ist der Grund für dieses Verhalten, wenn gleichzeitig trotzdem eine missbilligende Haltung gegenüber Tierversuchen und zu kleinen Zootiergehegen vertreten wird? Das Bild von Normalität, mit dem wir aufwachsen? Das das Verzehren von Fleisch von jüngster Kindheit an beinhaltet, ohne sich darüber Gedanken zu machen? Zum Vergleich: Ein Wolf hinterfragt ja auch nicht, warum es für ihn normal ist, Fleisch zu fressen, oder ob das in Ordnung ist. Auch für ihn ist das Hetzen und Töten von Wildtieren normal; in unseren Augen grausam. Also warum hinterfragen? Fleisch schmeckt und enthält (angeblich) viele wertvolle Nährstoffe. Kaum jemand weiß, wie Tiere in Nutz- und Massentierhaltung leiden, weil diesbezügliche Bilder in den Werbespots von Restaurants, Fleischereien und Supermärkten nicht auftauchen. Der Verzehr von Fleisch konfrontiert uns nicht unmittelbar mit dem Leid oder den Problemen, die dahinter stecken. Ganz im Gegenteil. Es ist ein Stück unserer „heilen Welt“. Und wie fühle ich mich, wenn jemand diese oder einen Teil davon in Frage stellt oder gar missbilligt? Genau – angegriffen …

… to be continued …

7.7.08 09:58


Warum man Lassie nicht quälen darf (II)

Warum man Lassie nicht quälen darf (II)

oder: „Mami, woher kommt das Schnitzel auf meinem Teller?“

Wohl kaum eine Mutter würde diese Frage mit den Worten beantworten: „Dazu wird ein Schwein aus Massentierhaltung per Elektroschock betäubt und dann durch Durchtrennen der Halsschlagader getötet und ausgeblutet, bevor es in seine Einzelteile zerlegt und klein gehäckselt wird.“
Mal ganz abgesehen davon, dass das hautnahe Miterleben einer Schweineschlachtung wohl bei den meisten Menschen eher seelische Erschütterung denn Freude hervorrufen würde (nicht umsonst wurde der Beruf des Fleischers in die Top Ten der schwersten Berufe in Deutschland gewählt), könnten Metzgereien und Bauernhöfe mit Nutztierhaltung wohl bald dicht machen, wenn Verbraucher mit diesem Bild vor Augen in den Supermarkt gingen. (Ich tue es und kann mich kaum überwinden, auch nur einen Blick auf die Wursttheke zu werfen.) Das tatsächliche Bild sieht ganz anders aus. Und auch auf Milchkartons sind in der Regel gesunde Kühe auf einer Bergwiese abgebildet. Und nicht die kurz nach der Geburt getöteten männlichen Kälber.
Was also greifen Veganismus-Befürworter an?
Dazu in Bezug auf Tierversuche:
„Tierversuche sind das am häufigsten und am heftigsten diskutierte Thema im Tierschutz geworden. Das hat die Befürworterinnen von Tierexperimenten dazu veranlasst, auf den offenkundigen – und in der Tat nicht zu bestreitenden – Widerspruch im Denken hinzuweisen, dass die unterschiedlichen emotionalen Reaktionen, mit denen ein Tieropfer betrachtet wird, häufig vom Zweck des Tötens abhängen.

`Das Töten zur Gewinnung von Nahrungsmitteln und anderen tierischen Produkten, das massenhafte Vernichten von Mäusen, Ratten und Tauben in unseren Städten und auch das Töten von herrenlosen Haustieren, das in unseren Städten beträchtlich ist, erwecken – wenn überhaupt – weniger öffentliche Aufmerksamkeit als das Opfern von Versuchstieren für Forschung und Lehre. Offensichtlich hat dieser kognitive Widerspruch nichts zu tun mit ethischen Überlegungen und kann allenfalls beeinflusst werden durch wissenschaftspolitische, gesetzgeberische und erzieherische Initiativen.’“
(Quelle: ebenda, S. 183)

Sprich: Es wäre Heuchelei, in Bezug auf Tierquälerei nur Tierversuche zu missbilligen, aber alle sonstigen Formen von Tierquälerei, einschließlich Schlachtung zur Nahrungsmittelproduktion, zu dulden oder gar zu gutheißen.

… to be continued …

7.7.08 13:33


Kann man einen fiktiven Menschen lieben?

Kann man einen fiktiven Menschen lieben?

Wenn du liebst, meinst du es todernst. Halbe Sachen liegen dir nicht. Was du tust, tust du hundertprozentig. Dein Ehrgeiz kennt keine Grenzen. Deine Überzeugungen kommen aus tiefstem Herzen, und für deine Leidenschaften engagierst du dich voll und ganz. Du bist bereit, bis an deine Grenzen zu gehen – und darüber hinaus. Das zeichnet deine Stärke aus. Und schürt gleichzeitig große Ängste. So hoch du fliegst, so tief kannst du auch fallen. So voller Lebensfreude und so ansteckend wie dein Lachen, so herzzerreißend tiefgreifend und an Verzweiflung grenzend ist deine Traurigkeit. So engagiert und leidenschaftlich du dich für deine Talente einsetzt, die dir Sicherheit geben, so leicht erschrickst du, so leicht verletzlich bist du auf unsicherem Terrain. So nah, dass sie sich fast berühren, obwohl sie so weit auseinander liegen, sind sich deine zerbrechlich wirkende Verletzlichkeit und deine undurchdringliche, stählerne Kraft. Und genau diese Kontrastwirkung übt diese faszinierende, mitreißende Anziehungskraft aus, spiegelt auf erschreckend intensive. authentische Weise die Menschlichkeit einer fühlenden Seele wider.
Dein Blick der eines ungezähmten Tieres.  Er sprüht vor Kampfeslust und Leidenschaft, die dich mit Leichtigkeit über das Spielfeld tragen. So viel Kraft, so viel Begeisterung spricht aus jeder deiner Bewegungen. Als ob du nur für den Fußball lebst. Und mit genau den gleichen Händen, die nach dem Ball greifen wie nach einem lebensspendenden Talisman, liebkost du deinen kleinen weißen Hund, mit einer Zärtlichkeit, der Blick so voller Liebe, dass es einem das Herz zerreißt. Du schmollst schnell, wenn das Wetter nicht mitspielt, und bist verlegen, wenn dich jemand lobt oder dir etwas Gutes tut. Nein, ich kann es nicht beschreiben, was es ist, dass ich deine weichen braunen Haare streicheln, deine durchtrainierte breite Brust berühren, deine sehnige Hand mit den langen schlanken Fingern ergreifen, dir in die schokoladenbraunen Augen blicken möchte. Obwohl ich nie deine Stimme gehört, dich nie habe laufen sehen. Und doch sind wir uns so ähnlich – die gleiche Selbstunsicherheit, Begeisterungsfähigkeit und Sensibilität, das gleiche große Herz, große Misstrauen, die gleiche Tierliebe, die gleiche Angst. Obwohl du aus einer ganz anderen Welt stammst. Obwohl wir, unsere Kulturen, unsere Lebensumstände unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich sehne mich danach, dir zuzujubeln, wenn du ein Tor geschossen hast, an deinem Krankenbett um dich zu bangen, wenn du einen Unfall hattest, mich einfach schweigend zu dir zu setzen, wenn du obdachlos im Regen auf der Straße sitzt, K. zu dir zu bringen, wenn du vor Trauer und Einsamkeit verzweifelst. Auch wenn deine Stimme nie erklingen wird, deine Ohren niemals das Schreien jubelnder Fans hören, deine Beine niemals einen Ball treten, deine Arme niemals den Hauch vorüberstreichenden Windes verspüren werden. Weil deine Bewegungen, deine Worte, dein Aussehen, all dein Tun vom Zeichentalent eines realen Menschen abhängen. Der es auf so faszinierende Weise gelingt, sich in die Seele eines jungen, leidgebeutelten Mannes hineinzuversetzen und ihren Lesern deine Welt so tiefgründig nahezubringen, als wäre sie zum Greifen nah, als seiest du tatsächlich lebendig! Und doch bist du nichts weiter als eine Annsammlung von Bleistiftstrichen, deine Persönlichkeit und dein Leben lediglich das Produkt der Gedanken und Fantasien einer hoch talentierten Zeichnerin. So leicht bist du zu gebrauchen, dienst du anderen Menschen zu anderen Zwecken, hat dein eigenes Leben nicht den Sinn und Wert, den ein (reales) Menschenleben hat. Dass du dich bewegst, sprichst, älter wirst, ja selbst dass du fühlst – alles pure Illusion. Und diese an dich gerichteten Worte – bleiben ohne Ziel, ohne Antwort, ungehört. An einen Menschen gerichtet, den es nur dank Auge-Hand-Koordination, Fantasie, Papier und Grafit gibt – und für dessen Existenz ich dennoch unendlich dankbar bin …

9.7.08 09:53





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